Desidentifikation

Eine der unzähligen 9/11 Rückblicke hat mich auf eine Idee gebracht, nicht neu, aber für mich doch so neu, das ich sie aufschreiben möchte.

Eine junge Frau wurde porträtiert, die zur Zeit des Anschlages noch ein Kind war und in die 2. Schulklasse ging. Damals als Kind war ihre Antwort auf die Frage, was sie sich wünschen würde, hätte sie einen Wunsch frei: „Weltfrieden. Und wenn ich noch einen zweiten Wunsch hätte; dass alle Menschen Freunde sind.“ Heute hat sie noch immer diese Wünsche, fragt sich jedoch, woran es liegt, das wir Menschen dieses Ideal nicht erfüllen können.

Es gibt natürlich unzählige Erklärungsansätze auf diese Frage, allein deshalb, weil unzählige Einzelfälle und Geschehnisse, so unterschiedlich beschrieben werden können. Jeder Wechsel der Perspektive, jedes neu in Bezug setzen, ergibt ein neues Erklärungsmodell.

Herunter gebrochen auf grundlegende menschliche Verhaltensmuster, sehe ich jedoch lediglich eine primäre Ursache.

Menschen identifizieren sich mit Dingen. Das ist erst einmal nicht gut oder schlecht. Betrachtet man länger mit was sich ein Mensch alles identifizieren kann, fällt auf, das sowohl gute als auch schlechte Folgen daraus resultieren können. Je nach Blickwinkel des Betrachters u.U. mit gegensätzlicher Bewertung.

Das Problem ist aber nicht die Identifikation Einzelner mit etwas, sondern der Mangel an Wissen und Fähigkeiten bei vielen Menschen sich ebenso auch Desidentifizieren zu können.

Identi – fizieren, in – fizieren: Identifizierung ist immer auch eine Infizierung mit Identität. Manchen dieser „Erreger“ wird man ein Leben lang nicht mehr los, weil er schon chronisch Teil des Individuums geworden ist. Aus der Infizierung wurde eine emotional-kognitive Fixierung, eine Einschränkung, die weniger Möglichkeiten eines gütlichen Miteinanders zulässt, weil das Individuum stärker an Dingen hängt und weniger bereit ist sich von diesen zu trennen.

Identifikation ist die Grundlage von Motivation und daher essentiell für den Menschen. Sie setzt aber auch einen Bezugsrahmen für die Wahrnehmung der Welt, bestimmt den Blickwinkel und die Meinung die ein Individuum hat.
Diese Fixierung im richtigen Augenblick bewusst lösen zu können, sich desidentifizieren zu können wenn dadurch eine Situation entspannt und zu einem friedlichen Ende geführt werden kann, ist eine große Kunstfertigkeit.

Ich hoffe viele Menschen begreifen sich als Schüler dieser Kunst.

Ein Gedanke zu „Desidentifikation

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